Neue Euro-Noten: Berühmte Europäer oder Vögel und Flüsse?
Entwürfe für neue Euro-Noten Berühmte Europäer oder Vögel und Flüsse?
Die EZB hat Entwürfe für künftige Euro-Banknoten vorgestellt. Bürgerinnen und Bürger der Eurozone können nun mitentscheiden. Das neue Geld bricht mit Traditionen und kommt ab Ende 2028.
Fast 30 Jahre lang waren sie das prägende Merkmal der Banknoten im Euroraum: Brücken, Tore und Fenster - alle in einem abstrakten Baustil gehalten, um kein Land zu bevorzugen und um alle Euro-Staaten zu vereinen. So die Idee der Gründungsväter.
Doch damit ist bald Schluss. Die künftigen Euro-Scheine werden entweder europäische Persönlichkeiten und Kulturräume oder europäische Flüsse und Vögel sowie europäische Institutionen zieren. Seit heute ist klar, wie diese Motive möglicherweise aussehen. Ein Auswahl-Gremium suchte aus Tausenden von Entwürfen und Ideen insgesamt zehn verschiedene Vorlagen für die neuen Banknotenserie aus. Die Scheine werden wie gewohnt weiterhin sechs Nominierungen haben - vom Fünfer bis zum 200-Euro-Schein.
Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, stellte die insgesamt 120 Designs (60 Vorder- und 60 Rückseiten) der Bestenliste heute im EZB-Eurotower in Frankfurt am Main vor. Die endgültigen Motive sollen dann nach und nach die alten Geldscheine ersetzen. Ihre Einführung ist nach aufwendigen Tests und Sicherheitsverfahren aber erst ab 2028/2029 geplant.
EZB-Rat hat das letzte Wort
Zuvor haben auch die rund 350 Millionen Bürgerinnen und Bürger der Eurozone ein Mitspracherecht, wie ihr künftiges Geld aussehen soll. Auf der Internetseite der Europäischen Zentralbank können sie ab sofort mitbestimmen, welche Motivserie sich durchsetzen soll. Das letzte Wort hat dann der EZB-Rat, der darüber im Dezember entscheiden wird.
Im Kern geht es um zwei Motiv-Serien, von denen aber nur eine tatsächlich umgesetzt werden soll. Für jede Serie wurden fünf Design-Vorschläge vorgelegt. Die erste Serie befasst sich mit berühmten europäischen Personen auf der Vorderseite - darunter der Komponist und Pianist Ludwig van Beethoven, die Physikerin und Chemikerin Marie Curie oder der Maler, Bildhauer, Ingenieur und Architekt Leonardo da Vinci. Auf der Rückseite sollen sich europäische Kulturräume wiederfinden - darunter verstehen die Initiatoren Marktplätze, Theater, Opern oder Parks.
Bei der zweiten Serie befinden sich auf der Vorderseite Flüsse und Vögel - etwa eine Gebirgsquelle, ein Wasserfall oder ein Flusstal zusammen mit typischen europäischen Vögeln wie dem Mauersegler, dem Eisvogel oder dem Weißstorch. Auf der Rückseite dieser Serie findet man dann europäische Institutionen - etwa das Europäische Parlament, die Europäische Kommission oder den Europäischen Gerichtshof.
Die endgültige Entscheidung über die Gestaltung der neuen Banknoten wird das EZB-Gremium voraussichtlich gegen Jahresende fällen.
Fälschung soll schwieriger werden
In Form und Farbe werden sich die neuen Scheine von den alten nicht unterscheiden - der Fünf-Euro-Schein bleibt also grau, der Zehner rot und der 20-Euro-Schein blau. Allerdings sollen die neuen Banknoten zahlreiche neue Sicherheitselemente haben.
Denn obwohl die gegenwärtigen Euroscheine relativ sicher sind, haben viele Fälscher mittlerweile gute Methoden entwickelt, sie nachzudrucken. Dies ist auch ein wesentlicher Grund, warum die EZB die Motive vollständig austauschen will. Zum anderen erhofft man sich von den konkreten Personen, Flüssen, Kulturplätzen oder Institutionen eine stärkere Identifikation der Bevölkerung der 21 Mitgliedsstaaten mit ihrem Geld.
Viel Symbolik auf den aktuellen Scheinen
Doch genau an diesem Punkt setzt auch die Kritik an: Die auf den heutigen Scheinen befindlichen abstrakten Baustile und Bauelemente, die keinem Mitgliedsland direkt zugeordnet werden können, wurden damals bei der Einführung des Euro bewusst gewählt. Dadurch sollte kein Land bevorzugt oder benachteiligt werden.
Die Brücken sollten die Verbindungen zwischen Europa symbolisieren, Tore und Fenster zum Zusammenhalt einladen - alles ausgedacht von Robert Kalina, der den damaligen Wettbewerb gewann. Der österreichische Grafiker war damals Chefdesigner bei der Österreichischen Nationalbank und hatte zuvor zahlreiche Serien des österreichischen Schillings entworfen. Später kreierte er auch neue Banknoten für andere Länder.
Der Schöpfer der ersten Euro-Noten ist überaus skeptisch, dass das neue Design die erhofften Ziele erreichen wird. Kalina befürchtet, dass konkrete Personen und Gebäude den Stolz und die Eifersüchteleien der Nationalstaaten wieder entfachen könnten. Genau das wollte er mit seinem Design der jetzigen Banknoten vermeiden. Von der Motivserie Vögel und Flüsse hält der heute 71-jährige gar nichts. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagt Kalina, Vögel und Flüsse gehörten auf eine Briefmarke und nicht auf die wichtigste Währung des Kontinents: "Es täte mir leid, wenn der Euro künftig anders aussähe."
Die EZB präsentierte je fünf Gestaltungsvorschläge zu den beiden Themen "Flüsse und Vögel"