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Dienstag, 24. März 2026
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AfD: Kevin Dorow bleibt trotz Vorwürfen in der Partei

Medienspektrum

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24. März
Der Spiegel (Politik)

AfD: Kevin Dorow bleibt trotz Vorwürfen in der Partei

Parolen mit NS-Nähe Trotz heftiger Vorwürfe – AfD-Jugendpolitiker Dorow bleibt Parteimitglied AfD-Jungpolitiker Kevin Dorow, der eigentlich aus der Partei ausgeschlossen werden sollte, darf nun doch bleiben. Der AfD-Bundesvorstand entschied nach Anhörung des Chefs der AfD-Nachwuchsorganisation »Generation Deutschland«, Jean-Pascal Hohm, das Ausschlussverfahren gegen Dorow zurückzuziehen. Dieser steht unter anderem in der Kritik, weil er eine Parole, die auch die Hitlerjugend nutzte , verwendet hatte. Im Gegenzug zum abgewendeten Parteiausschuss soll Dorow dem Willen des Bundesvorstands nach seine Ämter als Beisitzer im Bundesvorstand der »Generation Deutschland« und Beisitzer im schleswig-holsteinischen Landesvorstand der AfD für zwei Jahre niederlegen. Lediglich sein Amt als Vizefraktionschef in Rendsburg-Eckernförde könne Dorow demnach behalten. Nach SPIEGEL-Informationen warf der Bundesvorstand Dorow vier Äußerungen vor. Es ging um: eine Unterscheidung zwischen, in Dorows Worten, »Passdeutschen« und »Volksdeutschen«, die er traf die Verwendung einer Parole, die auch die Hitlerjugend nutzte und die zu einer Prüfung durch die Staatsanwaltschaft führte – der SPIEGEL hatte zuerst berichtet eine weitere Parole, die auch NS-Nähe aufweist Lob für das Remigrationskonzept des österreichischen Rechtsextremen Martin Sellner AfD-Nachwuchsorganisation sieht Kompromiss als gutes Zeichen für Zusammenarbeit Hohm teilte auf Nachfrage der Nachrichtenagentur dpa mit, dass Dorow den Forderungen nachkomme. Hohm hätte sich eine vollständige Rücknahme der Parteiordnungsmaßnahme gewünscht, die er nach wie vor für sachlich überzogen halte. »Der nun gefundene Kompromiss zeigt jedoch, dass AfD und ›Generation Deutschland‹ bereit sind, aufeinander zuzugehen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu finden. Das ist ein sehr gutes Zeichen.« Dorow teilte mit, er begrüße die Entscheidung der Parteispitze. »Maßgeblich ist für mich, dass die politische Arbeit in Land und Bund fortgeführt werden kann. Es gilt nun, die ›Generation Deutschland‹ in ihrer Aufbauphase weiter zu stärken und in Schleswig-Holstein die inhaltlichen und organisatorischen Grundlagen für die kommende Landtagswahl zu legen.« Prüfung durch Staatsanwaltschaft Dorow war im November vergangenen Jahres in den Vorstand der neu gegründeten AfD-Parteijugend gewählt worden. Seine Rede bei der Gründungsveranstaltung in Gießen hatte die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen. Sie leitete die Prüfung einer möglichen Strafbarkeit gemäß Paragraf 86a Strafgesetzbuch ein. In dem Paragrafen geht es um das »Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen«. Dorow hatte sich in der Rede auf den Thüringer AfD-Landeschef Höcke bezogen und gesagt: »Wie es Björn Höcke vor wenigen Monaten rezitiert hat, Jugend muss durch Jugend geführt werden, und dieses Prinzip muss unser Leitstern sein.« Die neue Jugendorganisation werde »die Speerspitze der jungen Rechten in Deutschland sein«, sagte Dorow. »Jugend wird durch Jugend geführt« galt als Prinzip der sogenannten Bündischen Jugend in der Weimarer Zeit und später auch der Hitlerjugend. - »Generation Deutschland«: Neue Jugendorganisation liefert Belege für Verfassungsfeindlichkeit der AfD Von Ann-Katrin Müller - Generation Deutschland: Staatsanwaltschaft prüft Hitlerjugend-Spruch auf AfD-Jugendkongress Von Fabian Hillebrand - Kritik aus den eigenen Reihen: AfD-Spitze stoppt Ausschlussverfahren gegen Jungpolitiker Kevin Dorow vorerst Von Fabian Hillebrand Im Dezember sagte Dorow dem SPIEGEL , der Ausspruch »Jugend muss durch Jugend geführt werden« stamme aus der Wandervogelbewegung, also aus einer Zeit vor dem Nationalsozialismus und damit lange bevor die Hitlerjugend überhaupt existierte. Er sehe keinerlei Anlass, sich von dieser inhaltlich in keiner Weise verwerflichen Aussage zu distanzieren.

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24. März
Die Zeit (Politik)

Kevin Dorow: AfD-Nachwuchspolitiker Dorow darf nun doch in der Partei bleiben

Die AfD hat das Parteiausschlussverfahren gegen Nachwuchspolitiker Kevin Dorow nach ZEIT-Informationen zurückgezogen, Dorow darf in der Partei bleiben. Der Bundesvorstand beschloss am Montagabend, das vor wenigen Wochen eingeleitete Parteiordnungsverfahren aufrechtzuerhalten, von einem Parteiausschluss aber abzusehen. Stattdessen soll eine zweijährige Ämtersperre verhängt werden. Voraussetzung für Dorows Verbleib in der Partei sei, dass er zuvor von allen Ämtern zurücktrete, also von seinem Vorstandsposten bei der Nachwuchsorganisation Generation Deutschland (GD) und auch aus dem AfD-Landesvorstand in Schleswig-Holstein. Die Entscheidung erging nach Informationen der ZEIT einstimmig, ohne Enthaltungen. Innerhalb des Bundesvorstands wurde es als Fehler angesehen, dass man in dem Ordnungsverfahren gegen Dorow nicht den Vorsitzenden der neu gegründeten Parteijugend, Jean Pascal Hohm, eingeladen und angehört hatte. Infolgedessen kam man in der Sitzung gemeinsam zu dem Schluss, dass ein Parteiausschluss eine Überreaktion sei. Hohm soll künftig regelmäßig eingeladen werden. Dorow begrüßt die Entscheidung Dorow teilte mit, er begrüße die Entscheidung der Parteispitze. "Maßgeblich ist für mich, dass die politische Arbeit in Land und Bund fortgeführt werden kann. Es gilt nun, die Generation Deutschland in ihrer Aufbauphase weiter zu stärken und in Schleswig-Holstein die inhaltlichen und organisatorischen Grundlagen für die kommende Landtagswahl zu legen." Wegen Aussagen Dorows auf der Gründungsveranstaltung der GD hatte der Bundesvorstand im Februar ein Parteiausschlussverfahren eingeleitet. Anschließend hatte es aus dem Umfeld der Partei und auch parteiintern massive Kritik gegeben. Staatsanwaltschaft leitete Prüfung ein Dorow war im November in den Vorstand der GD gewählt worden. Seine Rede bei der Gründungsveranstaltung in Gießen hatte die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen, die die Prüfung einer möglichen Strafbarkeit gemäß Paragraf 86a Strafgesetzbuch einleitete. In dem Paragrafen geht es um das "Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen". In seiner Rede hatte Dorow sich auf den Thüringer AfD-Landeschef Höcke bezogen und gesagt: "Wie es Björn Höcke vor wenigen Monaten rezitiert hat, Jugend muss durch Jugend geführt werden, und dieses Prinzip muss unser Leitstern sein." Die neue Jugendorganisation werde "die Speerspitze der jungen Rechten in Deutschland sein", hatte Dorow hinzugefügt. "Jugend wird durch Jugend geführt" galt als Prinzip der sogenannten Bündischen Jugend in der Weimarer Zeit und später auch der Hitlerjugend. Später sagte Dorow dazu, der Ausspruch "Jugend muss durch Jugend geführt werden" stamme aus der Wandervogelbewegung, also aus einer Zeit vor dem Nationalsozialismus und damit lange bevor die Hitlerjugend überhaupt existierte. Er sehe keinerlei Anlass, sich von dieser inhaltlich in keiner Weise verwerflichen Aussage zu distanzieren.

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24. März
taz (Öko & Co)

AfD-Spitze nimmt Parteiausschluss zurück: Das bisschen Hitlerjugend

AfD-Spitze nimmt Parteiausschluss zurück: Das bisschen Hitlerjugend Nach einem rechten Shitstorm kippt die AfD das Ausschlussverfahren von Jugendkader Kevin Dorow. Für dessen NS-Parolen gibt es nur eine Ämtersperre. Die Parteispitze warf ihm so einiges vor: Er differenzierte zwischen Volks- und Passdeutschen, verwendete eine völkische Parole, die später zum Leitspruch der Hitlerjugend wurde, zitierte das Treuelied, das auch in der SS verwendet wurde, und lobte das verfassungsfeindliche Konzept der „Remigration“ von Martin Sellner – für einen Parteiausschluss reicht all das aus Sicht der AfD-Chefs nun allerdings nicht mehr. Das bisherige Vorstandsmitglied der AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland, Kevin Dorow, darf trotz allem Mitglied der AfD bleiben. Nach taz-Informationen schwächte die Parteispitze am Montagabend bei einer Vorstandssitzung das eigentlich schon beantragte Parteiausschlussverfahren ab. Stattdessen will die AfD-Spitze jetzt eine zweijährige Ämtersperre beantragen. Zuvor hatte es erhebliche Proteste des extrem rechten AFD-Umfelds gegeben und auch innerparteilich gab es deutliche Kritik an den Parteichefs Alice Weidel und Tino Chrupalla. Der Chef der AfD-Jugend, Jean-Pascal Hohm, selbst eng mit der Identitären Bewegung vernetzt, hatte intern und öffentlich Unmut geäußert, ebenso zahlreiche weitere Rechtsextremisten außerhalb und innerhalb der Partei. Daraufhin wurde die AfD-Jugend noch einmal zur Anhörung in den Bundesvorstand geladen. In der Folge ruderte die Parteispitze zurück, und zwar einstimmig – eine Bedingung für die Rücknahme des Parteiausschlussverfahrens ist nach taz-Informationen gewesen, dass Dorow zugleich von seinen Parteiämtern zurücktritt. Gemeinsame Sache: Rechtsextremismus Dem kam Dorow nun nach – er trete mit sofortiger Wirkung aus dem Landesvorstand der AfD Schleswig-Holstein sowie aus dem Vorstand der Generation Deutschland aus. Der taz bestätigte der 27-Jährige zudem, dass er die zweijährige Ämtersperre akzeptieren werde. Allerdings bleibt Dorow in der Partei und Mitglied der Kreisfraktion Eckernförder-Rendsburg. Dorow sagte, er begrüße, dass der Bundesvorstand den Parteiausschluss zurückgezogen habe. Als „Kompromiss“ sei er von allen Ämtern zurückgetreten – „mein Engagement für die Generation Deutschland und für die politische Arbeit in Schleswig-Holstein bleibt von diesem Schritt unberührt“, beharrte er. Der Vorsitzende der AfD-Jugend, Hohm, sagte: „Ich hätte mir eine vollständige Rücknahme der Parteiordnungsmaßnahmen gewünscht, da ich sie nach wie vor für sachlich überzogen halte.“ Der gefundene Kompromiss zeige jedoch, dass AfD und Parteijugend bereit seien, gemeinsam tragfähige Lösungen zu finden. Kritische Worte zu den NS-Parolen fand er keine – im Gegenteil: Dorow verdiene ob seines Rücktritts besonderen Respekt, sagte Hohm: „Er nimmt sich persönlich zurück und stellt sich voll und ganz in den Dienst der gemeinsamen Sache.“ Die gemeinsame Sache ist vor allem Rechtsextremismus: Dorow ist radikaler Burschenschaftler, hat zahlreiche Schmisse im Gesicht und trägt einen strammen Scheitel. In seiner Rede bei der Neugründung der AfD-Jugend hatte er die Partei nicht nur als seine „erste Liebe“ bezeichnet, sondern auch eine der radikalsten Reden gehalten – was angesichts der vielen extrem rechten Beiträge gar nicht so leicht war. „Nähe zum Nationalsozialismus“ Die Parteispitze hatte die gerichtsfest als gesichert rechtsextrem eingestufte Junge Alternative, die formal unabhängig war, aufgelöst, um nach einer Neugründung der AfD-Jugend auch disziplinarisch besser durchgreifen können. Mit einer Deradikalisierung ging das nicht einher: Nach Auflösung der Jungen Alternative hatte es Aufrufe aus dem radikalen Parteiumfeld gegen, die neue Jugendorganisation erneut zu übernehmen. Entsprechend radikal ist auch das Spitzenpersonal der AfD-Jugend. In seiner Rede auf der Gründungsversammlung in Gießen hatte Dorow in den Saal gerufen, dass man sich nicht vom Umfeld distanzieren wolle, und dann zum Hitlerjugend-Motto übergeleitet. „Jugend muss durch Jugend geführt werden“, forderte er. Den Leitspruch der ursprünglich aus völkischen Jugendbünden stammt, hatte einige Wochen zuvor Björn Höcke als Motto der neuen Jugend ausgerufen, aber ein Social-Media-Posting wieder gelöscht, als sich herausstellte, dass er damit mal wieder NS-Parolen verbreitet hatte. Dorow hatte sich dennoch positiv auf Höcke und das Motto bezogen. Entsprechend sah der Bundesvorstand eine „Nähe zum Nationalsozialismus“ bei Dorow. In der der taz vorliegenden ursprünglichen Begründung zum Parteiausschluss heißt es: „Wenn er aber wusste, dass Björn Höcke diesen Satz zitiert hat, dann muss er auch gewusst haben, welches Medienecho Björn Höcke damit ausgelöst hat – eben weil der Satz als Parole der Hitlerjugend in Gebrauch war.“ Ähnliches hielt die Parteispitze ihm bei der Verwendung des Textes aus einem SS-Lied in einem Social-Media-Post vor sowie bei der positiven Bezugnahme auf die Ausweisung von Deutschen mit Migrationshintergrund. Für einen Parteiausschluss reicht das aber offenbar nicht mehr in der AfD. Weidel wollte das Zurückrudern auf taz-Anfrage nicht kommentieren. Gemeinsam für freie Presse Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. 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