16. August Süddeutsche Zeitung
Leichtathletik-EM: Deutscher Medaillenregen am Schlusstag
Titel mit Ansage: Top-Favorit Frederik Ruppert hat sich mit einem unwiderstehlichen Finish zum Europameister über 3000 Meter Hindernis gekrönt. Der 29-Jährige rannte beim Showdown um die Medaillen in Birmingham nach 8:25,33 Minuten durch das Ziel und sicherte sich den ersten großen Titel seiner Karriere.
Ruppert, der im Ziel die Schnullergeste zeigte, setzte sich im Alexander Stadium gegen den Luxemburger Ruben Querinjean (8:25,61) durch, Bronze ging wie vor zwei Jahren an Karl Bebendorf (8:26,65). „Mir fällt ein Riesenstein vom Herzen. Ich bin einfach nur happy, dass es so ausgegangen ist“, sagte Ruppert in der ARD: „Ich werde im Januar Papa und das hat mir extrem viel Kraft und Power gegeben dieses Jahr.“ Bei den Frauen hatte Gesa Felicitas Krause den Titel über diese Distanz gewonnen.
Ruppert hatte im Mai mit seinen 7:57,80 Minuten als erster Europäer die Acht-Minuten-Marke geknackt, spätestens da war klar: EM-Gold würde nur über den Sportsoldaten gehen. Und dann lieferte Ruppert tatsächlich grandios ab, verhielt sich taktisch äußerst clever und stach im richtigen Moment zu: Am Ende stand das erste deutsche EM-Gold über 3000 Meter Hindernis seit Damian Kallabis, der 1998 in Budapest in dieser Disziplin den Titel geholt hatte.
Doch noch eine Medaille für Sprinterin Gina Lückenkemper
Ein Happy End gab es am Schlusstag von Birmingham für Gina Lückenkemper: Die zweimalige Europameisterin von München gewann bei ihrer letzten Chance dieser EM doch noch eine Medaille. Bei der Premiere der Mixed-Staffel über 4×100 Meter holte das Team mit Schlussläuferin Lückenkemper sowie Rebekka Haase, Kevin Kranz und Heiko Gussmann Silber, nur Gastgeber Großbritannien war schneller.
Die Britinnen mit Schlussläuferin Amy Hunt, die ihr viertes Sprintgold bei den Titelkämpfen in England holte, knackten in 39,97 Sekunden den Europarekord von 40,15, den ein deutsches Quartett mit Gussmann im Mai bei den World Relays in Botswana aufgestellt hatte. In Birmingham blieb auch die DLV-Staffel in 40,11 unter ihrer bisherigen Marke und verbesserte damit den deutschen Rekord. Platz drei ging an Spanien (40,42).
Kranz und Gussmann hatten am Samstag mit der reinen Männerstaffel Silber gewonnen. Lückenkemper war wie Haase im Halbfinale über 100 Meter ausgeschieden. Die Frauenstaffel war am Samstag im Vorlauf nicht ins Ziel gekommen und hatte das Finale verpasst.
Speerwerferin Julia Ulbricht holt überraschend Silber – Malaika Mihambo geht im Weitsprung leer aus
Mit Julia Ulbricht hätte wohl vor einigen Wochen wohl kaum jemand im Kampf um die EM-Medaillen gerechnet. Nun landete die Speerwerferin im ersten großen Finale ihrer Karriere mit 61,53 Metern in ihrem ersten Versuch vollkommen überraschend auf dem zweiten Platz – nur rund 24 Stunden nach dem Doppelsieg von Julian Weber und Nick Thumm bei den Männern. Besser als Ulbricht war nur die neue Europameisterin Sara Kolak aus Kroatien (62,43 Meter). Dritte wurde die Serbin Adriana Vilagos (60,93 Meter).
Mit ihrem Silber-Wurf kam Ulbricht bis auf fünf Zentimeter an ihre persönliche Bestleistung heran, die sie vor drei Wochen bei ihrem Sieg bei den deutschen Meisterschaften aufgestellt hatte. Die 25-Jährige galt vor der EM trotz ihrer kurz zuvor aufgestellten Bestleistung als Außenseiterin. Aber schon in der Qualifikation deutete sie an, dass sie in den Medaillenkampf eingreifen kann. Mit 60,86 Metern landete sie auf dem zweiten Platz. Im Finale legte sie dann noch einmal mehr als einen halben Meter drauf.
Bereits am Vormittag hatte Amanal Petros auf den Straßen von Birmingham Gold im Marathon gewonnen. Die vier weiteren Medaillen am Schlussabend im Alexander Stadium schraubten die deutsche EM-Bilanz nochmal nach oben. Insgesamt kam das DLV-Team auf 21 Podiumsplätze (sechs Gold-, zehn Silber, fünf Bronzemedaillen). Es ist das beste deutsche Gesamtergebnis seit 28 Jahren.
Weitspringerin Malaika Mihambo verpasste indes hat ihre fünfte Medaille bei Leichtathletik-Europameisterschaften. Die 32-Jährige sprang in einem denkbar knappen Finale 6,94 Meter, das reichte lediglich zu Platz fünf. Gold ging in einer Zentimeter-Entscheidung an die Italienerin Larissa Iapichino, die 7,00 Meter sprang. Silber holte die Britin Jasmin Sawyers mit nur einem Zentimeter weniger vor der Französin Hilary Kpatcha mit 6,98 Metern.