18. Juli Neues Deutschland
Fußball-WM | WM-Finale: Lehrmeister aus Spanien gegen Schüler aus Argentinien
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WM-Finale: Lehrmeister aus Spanien gegen Schüler aus Argentinien
Die Trainer Luis de la Fuente und Lionel Scaloni lenken die Geschicke beim Europameister und Weltmeister – beide verbindet eine besondere Beziehung.
Das Ballyhoo vor einem WM-Finale ist gewaltig. Am Freitag hat der Weltverband Fifa vor dem Showdown am Sonntagabend zwischen Spanien und Argentinien in East Rutherford erst einmal nach New York ins größte Messe-Kongresszentrum auf der West Side von Manhattan geladen. Spaniens Nationaltrainer Luis de la Fuente kam mit Mittelfeldchef Rodri ins Gravits Center am Hudson River, danach Argentiniens Nationalcoach Lionel Scaloni mit Torwart Emiliano Martinez. Alles hätte auch in eine gemeinsame Veranstaltung gepasst, man spricht ja nicht nur dieselbe Sprache, sondern schätzt sich seit Langem.
Zu den vielen Verbindungen gehört, dass Scaloni die Ausbildung für seine Pro-Lizenz im Trainingszentrum des spanischen Verbandes in Las Rozas begann – und sein Lehrer de la Fuente hieß. »Lionel war ein sehr gewissenhafter Schüler mit viel Interesse«, erinnert sich der 65-Jährige: »Er besaß die Haltung eines Menschen, der entschlossen ist, sich weiterzuentwickeln.« Erstaunlich, wie schnell Scaloni nach seiner Inthronisierung 2018 gewachsen ist. Deshalb wollte der de la Fuente festhalten: »Ich habe großen Respekt vor Lionel. Er hat mit der argentinischen Nationalmannschaft alles gewonnen. Ich bewundere ihn sowohl beruflich als auch persönlich.«
Fantastische Gruppe
Tatsächlich ist der 48-jährige Coach zum Hoffnungsträger für die Titelverteidigung geworden. Äußerlich ruhig, innerlich aufgewühlt: In den Pressekonferenzen verriet er, wie sehr ihn die Mentalität seiner Mannschaft im Verlauf des Turniers immer wieder beeindrucke. »Ich verliere meine Stimme«, sagte er nach dem Kraftakt beim 2:1 im Halbfinale gegen England. »Jeder sieht, wie speziell dieses Team ist. Die Brüderlichkeit ist unglaublich. Diese Gruppe ist fantastisch.« Er gibt das personifizierte Kontrastprogramm zur ständigen Unruhe, die von dieser mit viel Gewese spielenden Mannschaft erzeugt wird. Der siebenfache Nationalspieler Scaloni weiß, dass er das Temperament seiner Topstars ohnehin nicht ändern kann, wenn sie das himmelblaue Trikot überstülpen.
Wer dem Trainer vorwirft, alles sei bloß Lionel Messi ausgerichtet, hat einerseits Recht. Andererseits: Als Argentinien 2024 die Copa America gewann, hatte der Anführer ständig mit muskulären Problemen zu kämpfen, scheiterte im Elfmeterschießen gegen Ecuador im Viertelfinale vom Punkt und musste im Finale gegen Kolumbien ausgewechselt werden. Es gibt offenbar auch einen Plan B, den es vielleicht auch brauchen wird gegen die Spanier. Deren individuelle Klasse fügt sich in ein Kollektiv, das die Gegner mit einem spielerischen Ansatz beherrscht. Allein deshalb wäre »La Furia Roja« ein würdiger Weltmeister. Für Nachwuchsförderer und Trainerausbilder de La Fuente, der das Amt nach der WM 2022 von Luis Enrique übernahm, wäre es die Krönung. Nach dem Gewinn der Nations League 2023, der EM 2024 geriet die Machtdemonstration beim 2:0 im Halbfinale gegen Frankreich zum taktischen Meisterwerk eines Mannes, der gerne auch mal philosophische Erklärungen abgibt.
Expertise und Erfahrung
Der Lehrmeister trifft nun auf einen Schüler, der in Spanien ein zweites Zuhause gefunden hat. Scaloni spielte fast zehn Jahre für spanische Klubs, die beste Zeit erlebte er ab 1998 als Rechtsaußen bei Deportivo La Coruna, wo er auch seine Frau Elisa Montero kennenlernte. Heute lebt die Familie mit den zwei Kindern auf Mallorca. »Es tut mir sehr, sehr leid«, richtete Scaloni zuletzt lächelnd an alle Familienangehörigen, aus, »aber ich werde alles geben, um das Spiel zu gewinnen und Herrn de la Fuente zu schlagen.«
Auch für den deutschen Fußball sind diese beiden loyalen Figuren gewissermaßen ein Vorbild. Weil sie anders als Julian Nagelsmann keine Sprunghaftigkeit aufweisen, sondern Verlässlichkeit bieten – und gar nicht in den Vordergrund drängen, weil sie um ihre Wertschätzung wissen. Expertise und Erfahrung zählt – und die Kommunikation nach innen ist wichtiger als nach außen. Insofern kann sich auch der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp ruhig etwas abschauen. Man lernt ja nie aus. Selbst als Meistertrainer nicht. Sonst würden sich Luis de La Fuente und Lionel Scaloni nicht in einem WM-Endspiel wiedertreffen.
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