3. August FAZ (Wirtschaft)
Verbraucherschützer beklagen: Supersparpreise oft nicht verfügbar
Verbraucherschützer beklagen : Supersparpreise oft nicht verfügbar
Verbraucherschützer kritisieren die Preisgestaltung der Bahn. Zu üblichen Reisezeiten sei das günstigste Angebot oft nicht verfügbar. Die Bahn kontert: Nie gab es so viele Billigtickets.
„Schneller besser werden“, lautet die Ansage des neuen Bundesverkehrsministers Steffen Bilger (CDU) an die Deutsche Bahn, „auch was die Pünktlichkeitswerte anbelangt“. Verbraucherschützer sehen aber noch an anderer Stelle dringenden Verbesserungsbedarf: mit Blick auf die Preisgestaltung. Beim Supersparpreis klaffe eine Lücke zwischen Werbung und Realität, kritisiert der Bundesverband Verbraucherzentrale.
Ein Preismonitoring, welches der F.A.Z. exklusiv vorab vorlag, zeigt: Das günstigste Angebot, für welches die Bahn auf ihrer Internetseite warb, war für Fahrten in der zweiten Klasse zwischen 7 Uhr und 19 Uhr an 76 Prozent der untersuchten Tage nicht verfügbar. An diesen Tagen lagen die Supersparpreise zwischen 15 und 157 Prozent über dem Werbepreis. Nur an knapp jedem vierten Erhebungstag (24 Prozent) entsprachen die erfassten günstigsten Preise tatsächlich dem beworbenen Supersparpreis oder lagen sogar darunter. Verbraucherschutzchefin Ramona Pop kritisierte: „Wer mit besonders günstigen Preisen wirbt, sollte gewährleisten, dass diese öfter auch zu üblichen Reisezeiten verfügbar sind.“ Die Deutsche Bahn müsse ihr Preissystem einfacher und transparenter gestalten.
Die Bahn wies die Kritik zurück. Ziel sei es, die Züge für ein komfortables Reisen optimal auszulasten, teilte eine Bahnsprecherin auf Anfrage mit. Deshalb würden die Ticketkontingente so gesteuert, dass es nicht zu Überbuchungen komme. Ähnlich wie bei Bus oder Flugzeug gebe es für ohnehin stark ausgelastete Verbindungen, vor allem zwischen den Metropolen und zu Stoßzeiten, weniger Aktionsangebote. Mit günstigen Tickets wolle die Bahn Menschen, die flexibler reisen könnten, auf weniger ausgelastete Züge aufmerksam machen.
Erhebliche Preisunterschiede je nach Wochentag
Tickets zum Supersparpreis sind kontingentiert, sie gelten nur für die gebuchte Zugverbindung und können nicht storniert werden. Für das Preismonitoring der Verbraucherzentrale wurden zwischen dem 1. Juni 2024 und dem 30. April 2026 täglich die preiswertesten Direktverbindungen zwischen den fünf bevölkerungsreichsten Städten Deutschlands (Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main) erfasst. Je nach Fahrtzeit ergeben sich der Untersuchung zufolge erhebliche Preisunterschiede. Wer für die teuersten Tage, Freitag und Sonntag, ein Ticket kauft, zahlt dafür typischerweise unabhängig von der Ticketart 71 Prozent mehr als an den günstigsten Wochentagen, also am Dienstag und Mittwoch.
Wer seine Zugfahrt für die Zeit zwischen 16 Uhr und 19 Uhr plant, hat eine Chance von 66 Prozent, ein Bahnticket zum günstigsten verfügbaren Preis zu bekommen. Für Fahrten zwischen 10 Uhr und 13 Uhr verringert sich diese Chance auf nur noch 19 Prozent.
Die Sprecherin der Bahn kritisierte, die Untersuchung habe „erhebliche methodische Lücken“, unter anderem, weil nur die Reisezeit von 7 Uhr bis 19 Uhr betrachtet werde. Deshalb blieben unter anderem wichtige Pendlerverbindungen unberücksichtigt, etwa die Sprinterfahrten kurz nach 6 Uhr von Frankfurt nach Berlin oder von Berlin nach München. „Gerade in den Tagesrandlagen gibt es besonders viele günstige Tickets, die von unseren Kunden nachgefragt werden“, sagte die Sprecherin. Unberücksichtigt blieben außerdem Direktverbindungen jenseits der großen Städte. Für diese Strecken seien in der Regel eine große Bandbreite günstiger Tickets verfügbar.
17 Millionen mehr Fahrgäste
Bahnchefin Evelyn Palla konnte zuletzt einen Anstieg der Fahrgastzahlen melden. Im ersten Halbjahr 2026 waren 17 Millionen mehr Menschen mit der Bahn unterwegs als im gesamten Jahr 2025. Als Hauptgrund dafür wurden die gestiegenen Preise für das Tanken genannt. Die Bahnsprecherin hob hervor, Sparpreise seien derzeit von 6,99 Euro an zu haben. Rund 600.000 Fahrgäste haben nach Mitteilung der Bahn seit April das Last-Minute-Angebot genutzt, und mehr als 200.000 Reisende seien mit dem Familienticket unterwegs. Günstige Angebote seien über die Bestpreissuche schnell und einfach zu finden. Das sehen die Verbraucherschützer anders. Pop sprach von einem „Tarifdschungel“. Die Suche nach dem preiswertesten Ticket könne sehr aufwendig sein. Dazu trügen auch die Preisunterschiede beim auslastungsabhängigen Flexticket bei.
Im Fahrplanjahr 2025 betrug die Differenz zwischen dem niedrigsten und höchsten erhobenen Flexpreis im besten Fall 85 Prozent, es gab aber auch Unterschiede bis zu 170 Prozent, förderte das Preismonitoring der Verbraucherschützer zutage. Ein Flexpreisticket auf der Strecke von Berlin nach Köln kostete am günstigsten erfassten Reisetag 99,90 Euro, am teuersten Reisetag 185,10 Euro. Den größten absoluten Unterschied zwischen dem höchsten und niedrigsten erfassten Flexpreis verzeichneten die Verbraucherschützer mit 154,20 Euro auf der Strecke von Frankfurt nach Hamburg.
Bahn: So viele Billigtickets wie noch nie
Die Verbraucherschützer untersuchten auch, ob die Bahn ihr Versprechen gehalten hat und die Preise zum Fahrplanwechsel 2025/2026 stabil blieben. Das sei grundsätzlich der Fall, bestätigt die Verbraucherzentrale. Supersparpreistickets allerdings seien vor allem bei mittelfristigen Buchungen teurer geworden, typischerweise um 36 Prozent. Je nach Strecke ergab das Preismonitoring aber auch Preissteigerungen von bis zu 111 Prozent. Langfristige Buchungen seien um drei Prozent teurer, kurzfristige Buchungen um zwei Prozent günstiger geworden. Die Bahnsprecherin teilte dazu mit, die Flexpreise hätten sich über alle Verbindungen hinweg nicht verändert. Derzeit seien „so viele Billigtickets wie noch nie auf dem Markt“.